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Der Japanische Teegarten ist ein bedeutender Gartentyp Japans, der eng mit der traditionellen Teezeremonie und der damit einhergehenden Reinigung von außenstehenden bzw. weltlichen Dingen einhergeht.

In Japan ist der Teegarten auch unter dem buddhistischen Wort „roji“ bekannt, was übersetzt so viel wie „Tauerde“ oder „Weg“ bedeutet. Letztere Übersetzung scheint besonders deshalb einleuchtend, da zentraler Punkt des Teegartens ein Pfad ist, der in geschwungenen Linien zum Teepavillon hinführt. Ziel des Gartens ist es, einen Bezirk außerhalb des Alltages und der Welt zu schaffen, in dem das Herz geklärt und beruhigt wird. Nach der Lotos-Sutra ist roji ein Raum, der den Eintretenden vom Schmutz der Welt reinigt.

Die Teezeremonie

Dem japanischen Teegarten liegt weniger ein ästhetisches als vielmehr ein funktionales Prinzip zu Grunde, denn er entstand im Zuge der aufkommenden Teezeremonien und galt als Vorbereitungszone für die Gäste sowie als schlichte Verlängerung des Teeraumes. Jede Bewegung und jeder Schritt innerhalb dieser Zeremonie wird in harmonischem Einklang mit der Umwelt getan und ist ein Zugehen auf das eigene, gereinigte Ich. Ursprünglich entstand das Teetrinken als eine Art Opfer an Buddha, während die Mönche im zwölften Jahrhundert ein gemeinsames Teetrinken dazu verwendeten, um die Schläfrigkeit während der Meditation zu unterdrücken. Erst Ende des fünfzehnten Jahrhunderts kamen erste Teeregeln auf.

Oftmals fanden die Zeremonien nachmittags statt und wurden auf bis zu fünf Teilnehmer begrenzt, die zunächst im Empfangsraum des Gartens einen leichten Tee zu sich nahmen. Nachdem der Teemeister die wartenden Gäste von ihren Bänken abgeholt hatte, führte er diese zu einem einfachen Wasserbecken, in dem Hand und Mund gereinigt werden. Erst jetzt wird zu einem Pavillon geleitet, in dem ein leichtes Essen zu traditionellem Sake-Reiswein gereicht wird. Sobald die Reinigung im Wasserbecken wiederholt wurde, wird auf einen Gong gewartet, der die eigentliche Teezeremonie erst einleitete. Hierfür benötigte der Gastgeber eine Teedose, eine Teeschale, einen Teelöffel und einen Wasserschöpfer. Grüner Pulvertee wurde in die Schale gegeben und mit einem Bambusschöpfer von heißem Wasser übergossen. Ein kleiner Besen aus gespaltenem Bambus diente zum Aufschäumen des Tees, ehe dieser in drei Schlucken getrunken wurde.

Japanische Gartendekoration:

Gestaltung eines Teegartens

Der Weg
Zentraler Mittelpunkt des Teegartens bildet in jedem Fall der
Pavillon, in dem die Zeremonie abgehalten wird und zu dem ein in Kurven geschwungener Weg den Gast führt. Das Licht einer steinernen Laterne wird in der Nähe des Pavillons aufgestellt, um dem über den Pfad Wandelnden das Ziel vor Augen zu führen und gleichzeitig die Abgeschiedenheit des Ortes zu unterstützen. Der Weg beinhaltete eine praktische wie symbolische Funktion: Er verhindert ein Niedertreten des umliegenden Mooses und erspart dem Besucher der Teehütte nasse Füße. Gleichzeitig soll die Bewegung auf das Ziel Körper und Geist bei jedem Schritt für die Details der natürlichen Umgebung empfänglich machen, die Wahrnehmung intensivieren und von der Last des Alltages befreien.

Besonders wichtig ist die Zusammensetzung des Weges selbst, der sich aus zwei Arten von Trittsteinen zusammensetzen kann. Pavimente (genannt shiki-ishi) sind Flächen aus zusammengesetzten bearbeiteten und unbearbeiteten Steinen, die so breit sind, dass zwei Menschen nebeneinander gehen können. Sie werden häufig dort verwendet, wo der Gastgeber seine Gäste empfängt und können zu detailverliebten Kunstwerken arrangiert sein. Schrittsteine (genannt tobi-ishi) sind hingegen freie Steinsetzungen, bei denen natürliche oder zu geometrischen Formen bearbeitete Steine in Schrittabstand platziert werden. Sie sind Ausdruck einer mit den Teegärten aufkommenden Gestaltungstechnick, die dazu führt, jeden Schritt bewusst zu tätigen und den Gehenden geistig auf das Kommende vorzubereiten. Eine besondere Variante der Schrittsteine sind die sawatari-ishi, die inmitten von Wasser gelegt werden und somit eine Art Brücke ersetzen.

Gestaltungselemente

Der Weg des Teegartens soll durch eine Landschaft führen, deren natürlicher Antlitz darüber hinwegtäuscht, dass jedes Detail sorgsam durchdacht ist. Obgleich Gräser, Hecken, Farne, Gehölze und Moos wild durcheinander wuchern, stehen sie doch im Einklang miteinander, während Bänke aus Bambus oder Stein zum Verweilen der Gäste einladen. Hingeworfen wirkende Findlinge, gehäufte Steintürmchen und Felsen unterstützen das Bild der Wildnis, das ursprünglich an die Abgeschiedenheit eines Bergdorfes erinnern sollte. Licht ist ein zentrales Gestaltungselement des Teegartens. Darum wird auch die geschickte Platzierung von z.B. japanischen Steinlaternen an Wegesrändern immer mit bedacht.

Darüber hinaus darf in einem japanischen Teegarten ein steinernes Wasserbecken nicht fehlen. Es diente keinesfalls – wie ein Brunnen – als künstlerisches oder ästhetisches Gestaltungsobjekt, sondern verfolgte den Zweck der Reinigung sowie der Läuterung des Herzens, daher sollte es optisch nicht hervordrängend sein.
Viele Teegärten besitzen Zwischentörchen aus Bambus oder einfachen Hölzern. Manche davon sind mit Ziegeln, Ried oder Schindeln bedeckt und beinhalten Schwingtüren aus geflochtenen Bambusgittern. Auch hier ist Einfachheit geboten.

tor bambus

Historische Teegärten sind bis heute gut erhalten und zeigen Orte, in denen Traditionen fernab der Welt gepflegt und geehrt werden. Berühmte Beispiele sind der Pavillon der Fushinan Hütte, der umgeben von dichten Bäumen und Buschwerk liegt, oder der Pavillon Konnichi an der Urasenke-Schule. Diese gibt bis heute das Wissen über Teezeremonien weiter.

Fotos Ⓒ kaempfi, rigamondis, atori, coward_lion, Stefan Körber, Printemps, satsuki2020, kishikou66, oben901, TOMO – fotolia.com

Über den Autor

Bianca Geurden entdeckte ihre Leidenschaft für die künstlerische und textliche Gestaltung bereits in jungen Jahren und setzte diese später in ein Studium der Germanistik und Kommunikationswissenschaften um. Ihre Vorliebe für ein Spiel mit Farben, Formen und Wörtern führte sie schließlich auch zum Thema Gartendekorationen und –austattungen.

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