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In Massen strömen Besucher jährlich auf den hoch über dem Gardasee gelegenen Museumkomplex Vittoriale degli italiani und bewundern die Räumlichkeiten des italienischen Schriftstellers und Dichters Gabriele D’Annunzio (1863-1938). Fast scheint es, als habe der ehemalige Nietzsche-Schüler mit der neun Hektar großen Anlage ein Lebenswerk geschaffen, das von einer Liebe zur Ästhetik und ausgeklügelter Innen- und Außengestaltung spricht.

Auf unseren Streifzügen durch Italien haben wir faszinierende Eindrücke der vom Architekten Giancarlo Maroni (1893-1952) entworfenen Landschaft mitgebracht. Dabei obliegt es einzig dem Auge des Betrachters, ob der Gesamtkomplex aus Statuen, Gedenksäulen, Springbrunnen und Kreuzgängen als Kunstwerk oder Bekenntnis zum Pomp aufgefasst wird.

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Geschichte der Villa D’Annuzios

1921 ging das Anwesen am westlichen Ufer des Gardasees von dem Kunsthistoriker Henry Thode (1857-1920) in die Hände von D’Annunzio über. Sogleich beginnt er mit der Umgestaltung, die bis nach seinem Tod andauern wird. Vor allem seine Gartenanlagen spiegeln einen Hang zu weltlichen, schönen Dingen wider. Viele Elemente sind römisch-etruskischer Herkunft und sprechen sich für einen antiken Stil aus, andere erscheinen der Renaissance, Romantik oder dem Jugendstil entlehnt. Genau dieser Umstand spaltet die Meinungen der Besucher. Für die einen erzählt die Vielzahl architektonischer Gestaltungsmittel die Geschichte eines Mannes, der seinen Garten mit Hingabe inszenierte. Für die anderen veranschaulichen sie lediglich die Ich-Inszenierung eines Schöngeistes mit einer Liebe für den Luxus.

Extravagante Gartengestaltung

Eines ist jedoch gewiss: Wer bewusst wahrnimmt, erkennt den zeitlichen und intensiven Aufwand, den D’Annunzio mit der Dekoration der Vittoriale degli italiani unternahm. Den Garten, dem er den Beinahmen il vittoriale gab, nutzte er für eine Reihe Gedenksäulen und übertrug ihn schließlich durch eine Schenkurkunde auf das „italienischem Volk“. Wer die Eindrücke auf sich zukommen lässt, der kann mit Genuss durch die mit Naturstein Mauern umgrenzten Wege wandeln und verwinkelte, beinahe mystisch wirkende Plätze genießen. Wasser spielte in D’Annunzios Gestaltung ein zentrales Element. Aus diesem Grund erweiterte er das ursprüngliche Gelände der Villa um ein Hafenbecken mit Turm und ließ zahlreiche Wasserbecken bzw. –bachläufe installieren. Entspannen kann der Besucher auch auf den Stufen des 1953 fertiggestellten Freilichttheaters, das einen berauschenden Blick auf die Wasserfläche des Gardasees erlaubt.

D’Annunzios Liebesbekenntnis an die antike Gartenkunst

Antike Elemente finden sich überall in D’Annunzios Gartengestaltung, darunter auch in Ädikula geschmiegte Skulpturen mit römischen Zügen sowie korinthische Säulen und kunstvoll gestaltete Amphoren. Andere Details wie die zahlreichen Rundbögen, Pilaster, Dreiecksgiebel und ornamentale Reliefs können zwischen Renaissance und Barock verortet werden. Gleichzeitig schmiegen sich farbenfrohe Hortensien und Oleander sowie Kletterpflanzen am Mauerwerk in das Bild der Landschaft. Mit Sicherheit war D’Annunzio ein Schriftsteller, der gerne im Überfluss schwelgte – dafür spricht bereits die Tatsache, dass er sich in der Vittoriale degli italiani zuweilen 15 Diener, 10 Pferde, 38 Windhunde und über 200 Tauben hielt. Auch das monumentale Mausoleum, in dem seine sterblichen Überreste zu Grabe getragen worden sind, sowie die Büste im Selbstportrait am Eingang sprechen für eine gewisse Selbstverherrlichung. Dennoch kommt der Betrachter nicht umhin, beim Anblick des beispielsweise einbetonierten Bugs des Kreuzers „Puglia“ Bewunderung und Erstaunen zu entwickeln.

Über den Autor

Bianca Geurden entdeckte ihre Leidenschaft für die künstlerische und textliche Gestaltung bereits in jungen Jahren und setzte diese später in ein Studium der Germanistik und Kommunikationswissenschaften um. Ihre Vorliebe für ein Spiel mit Farben, Formen und Wörtern führte sie schließlich auch zum Thema Gartendekorationen und –austattungen.

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